Ein ganz besonderer Gottesdienst

An diesem Sonntag wirkten die Kinder der Gemeinde Göttingen bei der Gestaltung des Gottesdienstes mit: Sie schmückten das Kirchenschiff und umrahmten den Gottesdienst mit ihren Lieblingsliedern, was dazu führte, dass es ein ganz besonderer Gottesdienst wurde. Vielen Dank, liebe Kinder!

Ungewöhnlich. Als ich um halb zehn die Kirche betrat, kam mir eine ungewohnte Geschäftigkeit entgegen. Große und kleine Leute begrüßten einander, redeten oder liefen aufgeregt herum. Normalerweise ist um diese Uhrzeit am Sonntag in unserer Kirche in Göttingen noch nicht viel los, nur der diensthabende Diakon und der Orgelspieler sind schon da. Doch heute war das etwas anders, denn die Kinder gestalteten den Gottesdienst und hatten sich offensichtlich schon rechtzeitig getroffen, um noch einiges vorzubereiten. Die aufgeregte Stimmung sprang sofort auf mich über und ich war sehr gespannt, was uns nun erwarten würde. Im Kirchenschiff selbst war es noch ruhig. Sofort fielen mir die zahlreichen kleinen Flaschen und Vasen auf, die die Kinder auf und vor dem Altar drapiert und mit bunten Blumen gefüllt hatten. Am seitlichen Kirchenschiff hingen kleine und große Hände aus buntem Tonkarton. Später erklärte uns der Dienstleiter, dass das die Hände der Kinder und ihrer Lehrerinnen seien und dass diese sich wünschten, dass nach dem Gottesdienst jeder seine Hand auf buntem Karton aufmalen lassen sollte. Ein Symbol dafür, dass wir – gemäß unserem diesjährigen Motto – alle mit Freude unsere Tatkraft in den Dienst unseres himmlischen Vaters stellen wollen.

Kurz bevor der Gottesdienst begann, kamen alle Kinder und Lehrerinnen gemeinsam in die Kirche und füllten die vordersten Reihen. Bis dahin war mir nicht klar, dass wir so viele Kinder in unserer Gemeinde haben. Für gewöhnlich sitzen sie immer in der Gemeinde zerstreut oder sind in den Unterrichten, da habe ich das gar nicht bemerkt. Ein Junge ging nach vorne und begann eine Stelle aus der Bibel vorzulesen. Es waren die Verse 44 bis 47 aus Apostelgeschichte 2. Sie erzählen von der ersten christlichen Gemeinde, wie sie zusammen lebten, miteinander umgingen, Gottesdienst hielten und gemeinsam aßen. Der Dienstleiter betitelte sie mit dem Namen „Wohlfühlgemeinde“. Dies war ein Begriff, der in den letzten Jahren in unserer Gemeinde sehr präsent gewesen war und auch oft besprochen wurde. Es war zu unserem erklärten Ziel geworden, eine solche Wohlfühlgemeinde für jeden, der ihr angehört, zu werden. Der Priester rief uns wieder ins Gedächtnis, wie schön es doch wäre, diesen Zustand zu erreichen und stellte jeden noch einmal vor die Frage: Wie weit bist du auf dem Weg dorthin schon gekommen, und was kannst du noch dafür tun?! Unser für die Kinder zuständiger Priester, der anschließend mitdiente, verglich die Gemeinde auch mit einer Familie. Freudestrahlend blickte er in die Gemeinde und sagte, für ihn seien wir seine Familie.

Die Kinder umrahmten den Gottesdienst mit ihren Lieblingsliedern, wie man uns erklärte. Zu jedem Lied hatten sie ein großes Bild gemalt, das, wenn das Lied an der Reihe war, auf eine Staffelei gestellt wurde. Anhand des Bildes erläuterten sie uns zunächst, warum dieses Lied zu ihren Lieblingsliedern gehört und sie es gerne singen. „Kleine Tropfen Wasser“ war eines von den Liedern und wurde nur von den Vorsonntagsschülern gesungen. Jedes Kind hatte noch dazu ein Instrument wie z.B. eine Trommel oder eine Schelle in der Hand, mit dem es den Gesang begleitete. Eine Freundin sagte hinterher zu mir, dass sie sich in diesem Moment ein paar Tränchen verdrücken musste, weil die Kleinen in ihrem Enthusiasmus einfach herzerwärmend waren. Es wurden viele schöne Lieder gesungen, was auch dazu führte, dass dieser Gottesdienst ein ganz besonderer war. Vielen Dank, liebe Kinder!

M.K. / H.B., ra