Psalter und Harfe wacht auf!

Am Sonntag, 20. Januar 2013, besuchte Apostel Burchard die Gemeinde Göttingen. Außer den Glaubensgeschwistern der Gemeinden Duderstadt und Osterode waren alle Bezirksämter und Vorsteher des Bezirks Göttingen mit ihren Frauen und Familien eingeladen. In diesem Gottesdienst wurde Ben-Luca Lutz versiegelt; sein Vater Hanns-Christoph Lutz (bisher Dirigent der Gemeinde Göttingen), wurde im Priesteramt für die Gemeinde Göttingen bestätigt. Priester Hartmut Lau empfing das Hirtenamt und erhielt zusammen mit Evangelist Sven Mönkemeyer die Aufgabe, die Gemeindeleitung zu verstärken.

Grundlage für die Predigt waren einige Passagen aus dem 3. und 7. Vers des 31. Kapitels des Buches Jeremia: "Der Herr ist mir erschienen von ferne: Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Liebe ... Ruft laut, rühmt und sprecht: Der Herr hat seinem Volk geholfen."

Zu Beginn seiner Predigt ging der Apostel auf das vom Chor gesungene Lied "Lobe den Herren, den mächtigen König" (GB 261) ein und sagte: Mit diesem Lied sind wir mitten im Thema des Jahres "Bekennet den Herrn" – kann man den Herrn besser bekennen, als ihm ein Loblied zu singen? Dazu griff der Apostel zwei Textstellen aus dem Lied auf:

  1. "... meine geliebete Seele, das ist mein Begehren": so spricht Gott jeden Menschen an. Er möchte, dass wir uns selbst und unseren Nächsten ebenso lieben.
  2. "Psalter und Harfe wacht auf": Psalter und Harfe waren Musikinstrumente alter Zeit, das eine im Gottesdienst zu spielen, das andere auf Reisen.

Der Apostel wies auf den Schriftzug an der Seitenwand des Kirchenschiffs mit dem Jahresmotto 2013 hin: "Bekennet den Herrn" – Es komme nicht darauf an, ständig von Gott und unserem Glauben zu sprechen. Unser Ziel sollte es sein, uns so zu verhalten, dass wir nach unserem Glauben gefragt werden. Bekennen und lieben gehören zusammen. Wenn sich zwei Menschen lieben, bekennen sie sich zueinander. Eindrucksvoll war das Bekenntnis des Apostels: Er bekenne, diese Kirche habe in der Vergangenheit Fehler gemacht. Aber: Er liebe diese Kirche!

Insgesamt war der Gottesdienst geprägt von Anregungen aus dem 31. Kapitel des Jeremia-Buches, wie wir in unserem täglichen Leben den Herrn bekennen können.

  • "Ich habe dich je und je geliebt" (aus Vers 3): Gottes Liebe umgibt uns wie das Wasser die Fische umgibt: Als sich zwei junge Fische begegnen, fragt der eine den anderen: "Was ist Wasser", auch der wusste es nicht "Alle reden vom Wasser, ich habe keine Ahnung, was gemeint ist". Schließlich fragten sie einen alten Fisch, der vorüberschwamm. Er antwortete: "Habt ihr Augen, habt ihr Ohren, habt ihr Kiemen? Öffnet sie, dann wisst ihr, was Wasser ist."
  • "... du Jungfrau Israel: du sollst dich wieder schmücken, Pauken schlagen und herausgehen zum Tanz" (aus Vers 4) – Glaube, Bekenntnis zu Gott und pure Lebensfreude sind kein Widerspruch.
  • "Du sollst wiederum Weinberge pflanzen... und ihre Früchte genießen" (aus Vers 5) - Unser Leben ist geprägt von Arbeit, aber wir dürfen und sollen auch den Ertrag unserer Arbeit genießen.
  • "auch Blinde und Lahme, Schwangere und junge Mütter, dass sie als große Gemeinde zusammenkommen sollen" (aus Vers 8) – Niemand soll am Rande stehen.
  • "(Gott) wird es hüten wie seine Herde" (aus Vers 10) – Er kennt und liebt jeden einzelnen Menschen.
  • "Alsdann werden die Jungfrauen fröhlich beim Reigen sein, die junge Mannschaft und die Alten miteinander" (aus Vers 13) – Wir sind eine Gemeinschaft – es gibt keine verschiedenen, voneinander getrennte Gruppen. Bei Konflikten wird nichts unter den Teppich gekehrt, sondern verständnisvoll miteinander gesprochen.
  • "...und ich will der Priester Herz voller Freude machen" (aus Vers 14) – Wir wollen im positiven Sinn freudige "Brandbeschleuniger" für die Liebe Gottes sein, nicht Katalysatoren, die sind am eigentlichen Verbrennungsprozess nicht mehr beteiligt.

Evangelist Spormann (Uslar/Bodenfelde), Hirte Köhler (Bad Lauterberg) und Bezirksälteste Scheuchzer unterstrichen mit ihren Ausführungen das Dienen des Apostels.

Bei der Heiligen Versiegelung betonte Apostel Burchard, wieviel Verantwortung es bedeutet, Kinder zu haben. Eltern müssen immer darauf achten, was sie in Gegenwart ihrer Kinder sagen oder tun, weil Kinder ihre Eltern genau beobachten. Der Apostel bat die Eltern (und damit auch die ganze Gemeinde) das Bild eines liebenden und fürsorgenden Gottes in die Kinderseele zu legen und nicht mit ihm zu drohen, wie es in früheren Jahren in der Kindererziehung häufig gemacht wurde.

Während der Ordination von Priester Lau zum Hirten erinnerte der Apostel an das Bild des Hirten, der sich intensiv um das eine Schaf am Rand kümmert, ohne dabei die anderen 99 aus den Augen und aus dem Herzen zu verlieren. Wenn man es so formulieren könne, sei ihm das Hirtenamt wie auf den Leib geschnitten. (Wie zur Bestätigung bildete sich nach dem Gottesdienst bei der Verabschiedung ein "Hirtenstau", wie es der Apostel formulierte).
Noch einmal Bezug nehmend auf das Bibelwort aus Jeremia wünschte er allen Brüdern vor dem Altar Herzen voller Freude, damit Boten der Freude diese weiter tragen können (vgl. Jeremia 31,14).

Fotos: H.B., ra / Text: ra